Hansestadt Uelzen · Busbahnhof am Rathaus
Henriette-
Praesent-Platz
In Uelzen kann man alles werden. Man muss es nur wollen.
Vor zweihundert Jahren übernahm hier eine Witwe mit fünf Kindern ein angeschlagenes Handelshaus und machte daraus eines der größten Landhandelsunternehmen Norddeutschlands. Sie hatte keine Ausbildung, kein Vermögen und kein Recht auf viel. Sie hatte einen Willen. Dieser Platz trägt ihren Namen — und die Ansage, die daraus folgt.
Der Ort
Wer in Uelzen ankommt,
kommt hier an.
Der Busbahnhof am Rathaus ist kein hübscher Nebenplatz. Er ist die Schwelle: Schülerinnen, Pendler, Besucherinnen, Zugezogene — fast alle betreten die Stadt zum ersten Mal über diesen Ort. Genau deshalb steht hier der Name.
Der Zusatzname folgt dem Vorbild des Platzes der Kinderrechte: Er macht sichtbar, wofür die Stadt steht, ohne dass eine einzige Adresse geändert werden muss. Kein Umzug von Briefkästen, keine neuen Ausweise, keine Kosten für Anwohnerinnen und Gewerbetreibende. Nur ein Name, der etwas erzählt.
Und ein Name ist erst der Anfang. Aus dem Platz soll ein Ort werden, an dem diese Geschichte auch verhandelt wird — mit Stelen und QR-Codes zur Biografie, mit einem Rundgang zum ehemaligen Firmensitz in der Gudesstraße, mit Schulprojekten in Geschichte und Wirtschaft, mit einer Darstellerin bei Stadt- und Hansefest. Und mit Sitzstufen, an denen man sich verabredet, wenn man eine Idee hat und jemanden sucht, der sie mitträgt.
Sichtbar machen
Infostelen am Platz und an der Gudesstraße, mit Zitaten aus den Originaldokumenten und QR-Codes zu Kurzfilmen.
Weitergeben
Kooperation mit Schulen und Museum: Führungen auf ihren Spuren, Projekte in Geschichts- und Wirtschaftskunde.
52.9623° N, 10.5580° O — direkt am Herzogenplatz. In den Kartendiensten ist der Platz derzeit noch unter seiner alten Bezeichnung eingetragen; die Umbenennung folgt.
Die Namensgeberin
Eine Kauffrau, die niemand
gefragt hat, ob sie darf.
Auguste Henriette Praesent, geborene Bütemeister, war keine Adelige, keine Patrizierin, keine gebildete Dame. Sie war eine bürgerliche, praktische, zupackende Frau — und führte fast drei Jahrzehnte lang eines der größten Landhandelsunternehmen des norddeutschen Raums.
Geboren in Gandersheim als Tochter einer Kaufmannsfamilie. Eine weitergehende Schul- oder Berufsausbildung erhält sie nicht — Mädchenbildung ist zu dieser Zeit die Ausnahme.
Mit 21 heiratet sie den Uelzener Kaufmann Christian Praesent. Kaufmannsfamilien sind damals Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft zugleich: Sie führt Haushalt und Kontor.
Neun Kinder. Vier sterben als Säuglinge oder Kleinkinder. Fünf wachsen auf: Georg, Johanne, August, Elise und Betty.
Der große Stadtbrand beschädigt das Wohn- und Geschäftshaus am Markt schwer. Es wird neu errichtet — mit einem Manufakturladen, den sie persönlich führt.
Ihr Mann stirbt mit 52. Sie ist 45 und übernimmt als alleinige Inhaberin. In der Todesanzeige kündigt sie im selben Atemzug an, dass sie weitermacht.
Als in Uelzen eine Legge zur Leinenprüfung eingerichtet wird, bietet sie sofort Räume an — sie rechnet sich Geschäftsvorteile aus. Unternehmerisches Gespür, ungefragt.
Sie kauft Acker, erweitert den Manufakturwarenhandel, baut auf dem wachsenden Flachsanbau der Region auf. 1852 leben 17 Personen im Haus an der Gudesstraße — der Betrieb wächst sichtbar.
Das Unternehmen wird auf der Industrieausstellung in München für die Qualität seiner Garne und Leinen ausgezeichnet. Uelzener Ware, international anerkannt.
Sie stirbt kurz vor ihrem 74. Geburtstag. Das von ihr gebaute Fundament trägt weiter: Die Firma besteht bis 1991 — fast zweihundert Jahre.
Uelzen wird ihretwegen als 46. niedersächsischer frauenORT ausgezeichnet — eine Initiative des Landesfrauenrates.
Zugleich verbinde ich hiermit die Anzeige, dass ich das bisher geführte Flachs- und Leinengeschäft fernerhin fortsetze.Aus der Todesanzeige ihres Mannes, 8. Juni 1827 — gezeichnet: J. C. Praesent Witwe
Der Name, der sie versteckte
An der Front des Hauses stand in großen Lettern Joh. Christian Praesent Wwe. Hinter der unscheinbaren Abkürzung „Wwe.“ verbarg sich die Frau, die das Unternehmen fast dreißig Jahre lang führte. Der Platz macht aus der Abkürzung wieder einen Namen.
Warum eine Ausnahme möglich ist
Uelzen benennt Straßen und Plätze grundsätzlich nicht mehr nach Personen — aus guten Gründen, um spätere historische Belastungen zu vermeiden. Henriette Praesent lebte von 1782 bis 1856, also vor allen Zeitabschnitten, die regelmäßig zu nachträglicher Aberkennung geführt haben. Und ein nicht adressrelevanter Zusatzname greift ohnehin nicht in das Melderecht ein.
Sie sind die großen Organisatorinnen.Thomas Hodgskin, schottischer Reisender, über die Frauen Norddeutschlands, 1820
Der Standort
Was Henriette Praesent hatte,
hat Uelzen immer noch.
Sie machte aus schwierigen Voraussetzungen ein Geschäft: leichte Böden, eine kleine Landstadt, wenig Fernhandel. Was sie nutzte, war das, was da war — die Region, ihre Rohstoffe und den Weg nach draußen. Diese Rechnung geht heute wieder auf, nur mit anderen Zahlen.
Wasser, das man steuern kann
Uelzen, Lüneburg und Gifhorn bilden die größte zusammenhängende Beregnungsregion Deutschlands. Im Landkreis Uelzen liegen nahezu alle Ackerflächen unter Beregnung. Das ist kein Zufall, sondern ein über Jahrzehnte gebautes System aus Wasserrechten, Verbänden und Erfahrung — und es bedeutet Liefersicherheit auch im Trockenjahr.
Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände Uelzen; top agrarGrüne Energie im Überfluss
Der Ausbau der Windkraft schafft in der Region einen wachsenden Stromüberschuss. Wer energieintensiv arbeitet — trocknen, kühlen, extrahieren — und seine Prozesse in windstarke Stunden legen kann, macht aus schwankendem Angebot einen harten Kostenvorteil.
Der kurze Weg zur Welt
Der Elbeseitenkanal verbindet die Heide auf 115 Kilometern direkt mit der Elbe kurz vor Hamburg — und damit mit den Wachstumsmärkten in Asien und am Golf. Rund zehn Millionen Gütertonnen laufen jährlich über die Schleuse Uelzen.
Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des BundesEin Cluster, das schon steht
Zuckerfabrik, Molkereigenossenschaft mit Sprüh- und Lohntrocknung, Speiseeisproduktion, Saatzucht, Bio-Mühle, Demeter-Verarbeiter: Lebensmittelveredelung im großen Maßstab funktioniert hier seit Jahrzehnten — mit Fachkräften, Zulieferern und eingespielter Genehmigungspraxis.
Fläche, die frei wird
Ab 2027 stehen rund 15 Hektar neue Gewerbefläche in Holdenstedt bereit, bis 2029 insgesamt rund 90 Hektar. Hinzu kommt das rund 100 Hektar große, trimodal angebundene Areal am Hafen. Nicht irgendeine Fläche — Fläche mit Gleis, Kanal und Straße.
Leben und Arbeiten im Grünen
Nah genug an Hamburg und Hannover, weit genug entfernt: bezahlbarer Wohnraum, kurze Wege, Berufsschulcampus, Hochschulanbindung in Suderburg. Das Argument, das Fachkräfte am Ende überzeugt, ist selten das Gehalt. Es ist der Feierabend.
Rückblick aus dem Jahr 2032
„Wir haben auf diesen Stufen
gesessen und gerechnet.“
Stellen wir uns vor, es ist 2032. Der Platz ist sechs Jahre alt. Und die Menschen, die dort im Sommer 2027 zusammensaßen, erzählen, was daraus geworden ist.
Die Zahlen dieses Abschnitts sind Teil des fiktiven Zukunftsbildes und beschreiben keine eingetretene Entwicklung. Real sind allein die Standortfaktoren, auf denen die Erzählung aufsetzt.
Familienstadt Uelzen
Man zieht nicht wegen einer Stelle um.
Man zieht wegen der Kinder um.
Familien entscheiden anders als Arbeitsmärkte. Sie fragen nicht zuerst nach dem Gehalt, sondern danach, was aus ihren Kindern hier werden kann — und ob sie selbst noch etwas werden können. Auf beide Fragen soll Uelzen dieselbe Antwort geben wie 1827: Ja, wenn du willst.
Ein Vorbild, das man erklären kann
Kindern muss man Zukunft zeigen, nicht erklären. Eine Frau, die mit fünf Kindern und ohne Ausbildung ein Unternehmen aufbaute, ist eine Geschichte, die ein Zehnjähriger versteht — und behält.
Wege, die hier weitergehen
Berufsschulcampus, Hochschulanbindung in Suderburg, ein wachsendes Cluster aus Ernährungswirtschaft, Energie und Technik: Ausbildung, Studium und der erste gute Job müssen nicht mehr in drei verschiedenen Städten stattfinden.
Platz, der bezahlbar bleibt
Ein Garten statt eines Balkons, ein Schulweg statt einer Fahrkarte, Hamburg und Hannover in Reichweite, wenn man sie braucht. Was in der Metropole Verzicht kostet, ist hier Normalzustand.
Und für die Eltern selbst
Wer eine Idee hat, findet hier kurze Wege zu denen, die sie mittragen können: zu Betrieben, zur Verwaltung, zu Kapital, zu Flächen. In großen Städten braucht man dafür ein Netzwerk. Hier braucht man einen Nachmittag.
Erzählen wir Uelzen neu
Der Platz ist der Anfang,
nicht das Ergebnis.
Ein Name allein schafft keine Arbeitsplätze. Aber er schafft einen Bezugspunkt — etwas, worauf man zeigen kann, wenn man erklärt, warum man sich hier etwas zutraut. Was daraus wird, entscheidet sich nicht am Schild, sondern an denen, die sich davor treffen.
