HANSESTADT UELZEN · BUSBAHNHOF AM RATHAUS

Henriette-
Praesent-Platz

In Uelzen kann man alles werden. Man muss es nur wollen.

Vor zweihundert Jahren übernahm hier eine Witwe mit fünf Kindern ein angeschlagenes Handelshaus und machte daraus eines der größten Landhandelsunternehmen Norddeutschlands. Sie hatte keine Ausbildung, kein Vermögen und kein Recht auf viel. Sie hatte einen Willen. Dieser Platz trägt ihren Namen — und die Ansage, die daraus folgt.

1782

geboren als Kaufmannstochter — ohne Schul- oder Berufsausbildung

29 Jahre

führte sie das Unternehmen allein — von 1827 bis zu ihrem Tod 1856

1855

ausgezeichnet auf der Industrieausstellung in München

2021

Uelzen wird ihretwegen 46. frauenORT Niedersachsens

DER ORT

Wer in Uelzen ankommt,
kommt hier an.

Der Busbahnhof am Rathaus ist kein hübscher Nebenplatz. Er ist die Schwelle: Schülerinnen, Pendler, Besucherinnen, Zugezogene — fast alle betreten die Stadt zum ersten Mal über diesen Ort. Genau deshalb steht hier der Name.

Der Zusatzname folgt dem Vorbild des Platzes der Kinderrechte: Er macht sichtbar, wofür die Stadt steht, ohne dass eine einzige Adresse geändert werden muss. Kein Umzug von Briefkästen, keine neuen Ausweise, keine Kosten für Anwohnerinnen und Gewerbetreibende. Nur ein Name, der etwas erzählt.

Und ein Name ist erst der Anfang. Aus dem Platz soll ein Ort werden, an dem diese Geschichte auch verhandelt wird — mit Stelen und QR-Codes zur Biografie, mit einem Rundgang zum ehemaligen Firmensitz in der Gudesstraße, mit Schulprojekten, mit einer Darstellerin bei Stadt- und Hansefest. Und mit Sitzstufen, an denen man sich verabredet, wenn man eine Idee hat und jemanden sucht, der sie mitträgt.

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Mehr Informationen

Busbahnhof am Rathaus, 29525 Uelzen
52.9623° N, 10.5580° O — direkt am Herzogenplatz. In den Kartendiensten ist der Platz derzeit noch unter seiner alten Bezeichnung eingetragen; die Umbenennung folgt.

Sichtbar machen

Infostelen am Platz und an der Gudesstraße, mit Zitaten aus den Originaldokumenten und QR-Codes zu Kurzfilmen.

Weitergeben

Kooperation mit Schulen und Museum: Führungen auf ihren Spuren, Projekte in Geschichts- und Wirtschaftskunde.

DIE NAMENSGEBERIN

Eine Kauffrau, die niemand
gefragt hat, ob sie darf.

Auguste Henriette Praesent, geborene Bütemeister, war keine Adelige, keine Patrizierin, keine gebildete Dame. Sie war eine bürgerliche, praktische, zupackende Frau — und führte fast drei Jahrzehnte lang eines der größten Landhandelsunternehmen des norddeutschen Raums.

1782

Geboren in Gandersheim als Tochter einer Kaufmannsfamilie. Eine weitergehende Schul- oder Berufsausbildung erhält sie nicht — Mädchenbildung ist zu dieser Zeit die Ausnahme.

1803

Mit 21 heiratet sie den Uelzener Kaufmann Christian Praesent. Kaufmannsfamilien sind damals Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft zugleich: Sie führt Haushalt und Kontor.

1803–1820

Neun Kinder. Vier sterben als Säuglinge oder Kleinkinder. Fünf wachsen auf: Georg, Johanne, August, Elise und Betty.

1826

Der große Stadtbrand beschädigt das Wohn- und Geschäftshaus am Markt schwer. Es wird neu errichtet — mit einem Manufakturladen, den sie persönlich führt.

1827

Ihr Mann stirbt mit 52. Sie ist 45 und übernimmt als alleinige Inhaberin. In der Todesanzeige kündigt sie im selben Atemzug an, dass sie weitermacht.

1829

Als in Uelzen eine Legge zur Leinenprüfung eingerichtet wird, bietet sie sofort Räume an — sie rechnet sich Geschäftsvorteile aus. Unternehmerisches Gespür, ungefragt.

ab 1830

Sie kauft Acker, erweitert den Manufakturwarenhandel, baut auf dem wachsenden Flachsanbau der Region auf. 1852 leben 17 Personen im Haus an der Gudesstraße.

1855

Das Unternehmen wird auf der Industrieausstellung in München für die Qualität seiner Garne und Leinen ausgezeichnet. Uelzener Ware, international anerkannt.

1856

Sie stirbt kurz vor ihrem 74. Geburtstag. Das von ihr gebaute Fundament trägt weiter: Die Firma besteht bis 1991 — fast zweihundert Jahre.

2021

Uelzen wird ihretwegen als 46. niedersächsischer frauenORT ausgezeichnet — eine Initiative des Landesfrauenrates.

Zugleich verbinde ich hiermit die Anzeige, dass ich das bisher geführte Flachs- und Leinengeschäft fernerhin fortsetze.

Aus der Todesanzeige ihres Mannes, 8. Juni 1827 — gezeichnet: J. C. Praesent Witwe

Der Name, der sie versteckte

An der Front des Hauses stand in großen Lettern Joh. Christian Praesent Wwe. Hinter der unscheinbaren Abkürzung „Wwe.“ verbarg sich die Frau, die das Unternehmen fast dreißig Jahre lang führte. Der Platz macht aus der Abkürzung wieder einen Namen.

Warum eine Ausnahme möglich ist

Uelzen benennt Straßen und Plätze grundsätzlich nicht mehr nach Personen — aus guten Gründen. Henriette Praesent lebte von 1782 bis 1856, also vor allen Zeitabschnitten, die regelmäßig zu nachträglicher Aberkennung geführt haben. Und ein nicht adressrelevanter Zusatzname greift ohnehin nicht in das Melderecht ein.

DER STANDORT

Was Henriette Praesent hatte,
hat Uelzen immer noch.

Sie machte aus schwierigen Voraussetzungen ein Geschäft: leichte Böden, eine kleine Landstadt, wenig Fernhandel. Was sie nutzte, war das, was da war — die Region, ihre Rohstoffe und den Weg nach draußen. Diese Rechnung geht heute wieder auf, nur mit anderen Zahlen.

Wasser, das man steuern kann

Uelzen, Lüneburg und Gifhorn bilden die größte zusammenhängende Beregnungsregion Deutschlands. Im Landkreis Uelzen liegen nahezu alle Ackerflächen unter Beregnung. Das ist kein Zufall, sondern ein über Jahrzehnte gebautes System aus Wasserrechten, Verbänden und Erfahrung — und es bedeutet Liefersicherheit auch im Trockenjahr.

Grüne Energie im Überfluss

Der Ausbau der Windkraft schafft in der Region einen wachsenden Stromüberschuss. Wer energieintensiv arbeitet — trocknen, kühlen, extrahieren — und seine Prozesse in windstarke Stunden legen kann, macht aus schwankendem Angebot einen harten Kostenvorteil.

Der kurze Weg zur Welt

Der Elbeseitenkanal verbindet die Heide auf 115 Kilometern direkt mit der Elbe kurz vor Hamburg — und damit mit den Wachstumsmärkten in Asien und am Golf. Rund zehn Millionen Gütertonnen laufen jährlich über die Schleuse Uelzen.

Ein Cluster, das schon steht

Zuckerfabrik, Molkereigenossenschaft mit Sprüh- und Lohntrocknung, Speiseeisproduktion, Saatzucht, Bio-Mühle, Demeter-Verarbeiter: Lebensmittelveredelung im großen Maßstab funktioniert hier seit Jahrzehnten — mit Fachkräften, Zulieferern und eingespielter Genehmigungspraxis.

Fläche, die frei wird

Ab 2027 stehen rund 15 Hektar neue Gewerbefläche in Holdenstedt bereit, bis 2029 insgesamt rund 90 Hektar. Hinzu kommt das rund 100 Hektar große, trimodal angebundene Areal am Hafen. Nicht irgendeine Fläche — Fläche mit Gleis, Kanal und Straße.

Leben und Arbeiten im Grünen

Nah genug an Hamburg und Hannover, weit genug entfernt: bezahlbarer Wohnraum, kurze Wege, Berufsschulcampus, Hochschulanbindung in Suderburg. Das Argument, das Fachkräfte am Ende überzeugt, ist selten das Gehalt. Es ist der Feierabend.

RÜCKBLICK AUS DEM JAHR 2032

„Wir haben auf diesen Stufen
gesessen und gerechnet.“

Stellen wir uns vor, es ist 2032. Der Platz ist sechs Jahre alt. Und die Menschen, die dort im Sommer 2027 zusammensaßen, erzählen, was daraus geworden ist.

Diese Stimmen sind erfunden. Die folgenden Personen und Unternehmen gibt es nicht. Sie sind ein bewusst gestaltetes Zukunftsbild — eine Erzählung darüber, was auf Grundlage der realen Stärken dieser Region möglich wäre. Die genannten Standortfaktoren sind real, die Erfolgsgeschichten sind es noch nicht.

Wir kannten uns nicht. Ich saß mit einem Kaffee auf den Stufen und rechnete auf einem Bierdeckel aus, was ein Gefriertrockner an Strom frisst. Tarek setzte sich dazu und sagte: Du rechnest falsch herum — rechne mit dem Wind, nicht gegen ihn. Vier Stunden später hatten wir ein Geschäftsmodell. Heute trocknen wir Süßkartoffel, Heidelbeere und Kräuter aus einem Umkreis von vierzig Kilometern und verschiffen das Pulver über Hamburg. Dass hier seit Jahrzehnten jemand Trocknungstechnik beherrscht, war unser Startvorteil.

Marlene Ossenkopp

Verfahrenstechnikerin, Mitgründerin — NORDLYO GmbH, Gegründet 2027 · 64 Mitarbeitende · Zukunftsbild 2032 (fiktiv)

Ich bin aus Hamburg zurückgekommen, weil meine Tochter eingeschult werden sollte und wir uns dort kein drittes Zimmer leisten konnten. Beruflich hielt ich das für einen Rückschritt — bis mir klar wurde, wo ich hier sitze. Deutschland deckt nur einen Bruchteil seines Bedarfs an Arznei- und Gewürzpflanzen selbst. Wer Kamille in dokumentierter Qualität liefern kann, hat keine Absatzsorgen, sondern Wartelisten.

Dr. Annika Rehburg

Pharmazeutin, Gründerin — Kamillo Botanicals, Gegründet 2028 · 38 Mitarbeitende · Zukunftsbild 2032 (fiktiv)

Ich bin Informatiker und war eigentlich nur zu Besuch bei meinen Eltern. Auf dem Platz kam ich mit zwei Landwirten ins Gespräch, die sich über Strompreise für die Beregnung ärgerten. Ich habe das Problem verstanden, bevor ich den Markt verstanden hatte: Wer Trocknung, Kühlung und Pumpen in die windstarken Stunden legt, spart nicht ein bisschen, sondern ein Viertel. Entwickelt wird die Software weiterhin hier, zwölf Gehminuten vom Platz.

Jonas Klattenhoff

Gründer und Geschäftsführer — Lastfenster Systems GmbH, Gegründet 2027 · 45 Mitarbeitende · Zukunftsbild 2032 (fiktiv)

Wir haben in Suderburg Wasserbau studiert und wären früher nach Hannover gegangen, weil man dachte, hier gibt es nichts. Dabei liegt die größte Beregnungsregion Deutschlands direkt vor der Tür. Unsere erste Anlage haben wir auf einer Serviette am Henriette-Praesent-Platz skizziert. Kunden haben wir inzwischen bis Brandenburg — aber die Testfelder sind hier, weil es hier die Leute gibt, die seit dreißig Jahren wissen, wie man beregnet.

Lena Sandersen & Mattis Duve

Gründungsteam — Blauwert Systems, Suderburg, Gegründet 2029 · 29 Mitarbeitende · Zukunftsbild 2032 (fiktiv)

Mein Vater hat Weizen verkauft und der Börse zugeschaut. Ich verkaufe Spezifikationen. Das ist derselbe Acker und ein völlig anderes Geschäft. Wir fraktionieren Kichererbse und Lupine zu Proteinmehlen — Ware, die nicht am Weltmarkt hängt, sondern am Vertrag. Die erste Versammlung fand auf dem Platz statt, weil unser Besprechungsraum zu klein war. Ich fand das damals unpraktisch. Heute finde ich es passend.

Ferhat Yildiz

Landwirt und Vorstand — Heideprotein eG, Gegründet 2028 · 52 Mitarbeitende · Zukunftsbild 2032 (fiktiv)

Ich bin Maschinenbaumeisterin und hatte einen Betrieb mit sieben Leuten. Als drei Lebensmittelfirmen gleichzeitig Anlagen suchten, die es fertig nicht gab, war die Frage nicht mehr, ob wir wachsen, sondern wie schnell. Den Namen habe ich mit Absicht gewählt: Bütemeister war ihr Mädchenname. Mir gefiel der Gedanke, dass jemand, dem man nichts zugetraut hat, am Ende auf dem Firmenschild steht.

Katrin Duwe

Maschinenbaumeisterin, Inhaberin — Bütemeister Anlagenbau, Gegründet 2029 · 71 Mitarbeitende · Zukunftsbild 2032 (fiktiv)

Unternehmen, die in diesem Bild aus einer Begegnung auf dem Platz entstanden sind

Arbeitsplätze, die sie 2032 zusammen halten

Hektar Gewerbefläche, die diese Entwicklung real möglich macht

Platz, an dem sich all das zufällig getroffen hat — und zwar nicht zufällig

Die Zahlen dieses Abschnitts sind Teil des fiktiven Zukunftsbildes und beschreiben keine eingetretene Entwicklung. Real sind allein die Standortfaktoren, auf denen die Erzählung aufsetzt.

FAMILIENSTADT UELZEN

Man zieht nicht wegen einer Stelle um.
Man zieht wegen der Kinder um.

Familien entscheiden anders als Arbeitsmärkte. Sie fragen nicht zuerst nach dem Gehalt, sondern danach, was aus ihren Kindern hier werden kann — und ob sie selbst noch etwas werden können. Auf beide Fragen soll Uelzen dieselbe Antwort geben wie 1827: Ja, wenn du willst.

Ein Vorbild, das man erklären kann

Kindern muss man Zukunft zeigen, nicht erklären. Eine Frau, die mit fünf Kindern und ohne Ausbildung ein Unternehmen aufbaute, ist eine Geschichte, die ein Zehnjähriger versteht — und behält.

Wege, die hier weitergehen

Berufsschulcampus, Hochschulanbindung in Suderburg, ein wachsendes Cluster aus Ernährungswirtschaft, Energie und Technik: Ausbildung, Studium und der erste gute Job müssen nicht mehr in drei verschiedenen Städten stattfinden.

Platz, der bezahlbar bleibt

Ein Garten statt eines Balkons, ein Schulweg statt einer Fahrkarte, Hamburg und Hannover in Reichweite, wenn man sie braucht. Was in der Metropole Verzicht kostet, ist hier Normalzustand.

Und für die Eltern selbst

Wer eine Idee hat, findet hier kurze Wege zu denen, die sie mittragen können: zu Betrieben, zur Verwaltung, zu Kapital, zu Flächen. In großen Städten braucht man dafür ein Netzwerk. Hier braucht man einen Nachmittag.

ERZÄHLEN WIR UELZEN NEU

Der Platz ist der Anfang,
nicht das Ergebnis.

Ein Name allein schafft keine Arbeitsplätze. Aber er schafft einen Bezugspunkt — etwas, worauf man zeigen kann, wenn man erklärt, warum man sich hier etwas zutraut. Was daraus wird, entscheidet sich nicht am Schild, sondern an denen, die sich davor treffen.

HENRIETTE-PRAESENT-PLATZ

Busbahnhof am Rathaus · Herzogenplatz · 29525 Uelzen
Ein Zusatzname nach dem Vorbild des Platzes der Kinderrechte — ohne postalische Umbenennung.

Biografische Angaben nach Christine Böttcher, „Die Landhandelskauffrau Henriette Praesent (1782–1856)“, Der Heidewanderer, Heimatbeilage der Allgemeinen Zeitung Uelzen, 2021, sowie den Unterlagen des Museums- und Heimatvereins des Kreises Uelzen.

HINWEIS

Der Abschnitt „Zukunftsbild 2032“ enthält ausdrücklich fiktive Personen, Unternehmen und Kennzahlen. Er beschreibt ein mögliches Entwicklungsszenario, keine eingetretene Entwicklung.

Impressum und Datenschutz sind vor Veröffentlichung zu ergänzen.